Aus der Praxis – der Webshop

Herr Müller ist Inhaber eines mittelständischen Unternehmens für die Herstellung und Vertrieb von Saisonartikeln. Um die in jüngster Zeit zurückgehende Nachfrage im Heimatmarkt zu kompensieren, hat er den selbstständigen IT-Programmierer und Webdesigner Schuster beauftragt, einen Webshop zu konzipieren, der es ermöglicht, neue Zielgruppen zu erschließen. Nach Fertigstellung des IT-Projektes stellt sich heraus, dass noch einige wichtige Komponenten fehlen. Herr Müller verweigert die finale Abnahme und fordert auf zur Nachbesserung. Herr Schuster lehnt ab und fordert weitere Zahlungen. Der Streit eskaliert. Der Webshop droht nicht mehr rechtzeitig zum Saisonstart online zu gehen.

Was ist geschehen?

Herr Müller will neben dem klassischen Vertrieb über seine Außendienstmitarbeiter auch die Möglichkeit des Internets verstärkt nutzen. Er plant einen Webshop einzurichten, mit dem der Verkaufsprozess komplett automatisiert werden kann und will damit auch internationale Kunden ansprechen, die er bislang aufgrund der Sprachbarrieren nicht bedient hatte. Die bisherige „einfache“ Website steht nur in deutscher Sprache zur Verfügung.

Über einen guten Freund aus Unternehmerkreisen erhält er die Empfehlung für einen Programmierer und Web-Designer, Herrn Schuster, der sich auf die Realisierung solcher Webshops spezialisiert hat. Neben der reinen technischen Programmierarbeit übernimmt dieser auch die notwendigen Übersetzungsarbeiten und die Anpassung an die jeweiligen länderspezifischen Erfordernisse.
Nach einem Telefonat mit Herrn Schuster vereinbart Herr Müller einen Termin, in dem alle wichtigen Details und die Anforderungen besprochen werden. Dabei stellen die beiden fest, dass sie über den gemeinsamen Bekannten hinaus auch gemeinsam auf dieselbe Schule gegangen waren und die Liebe fürs Bergsteigen in Ihrer Freizeit teilen.

Herr Müller ist überzeugt von Herrn Schusters Fähigkeiten und verspricht Ihm kurzerhand den Auftrag. Sie einigen sich auf den Preis und vereinbaren, dass Herr Schuster die Hälfte vorab und den Rest nach Fertigstellung erhält.
In den nächsten Wochen gehen die Arbeiten für den Webshop zügig voran. Bereits 6 Wochen nach dem ersten Treffen präsentiert Herr Schuster den ersten Prototyp des Webshops und verspricht die Fertigstellung in den nächsten zwei Wochen. Allerdings würde er nun, nachdem große Teile der Arbeit schon erledigt sind, um die 2. Teilzahlung bitten.

Herr Müller vertraut auf die Einhaltung des Fertigstellungstermins noch vor dem Start des für ihn wichtigen Saisongeschäftes und überweist den fehlenden Betrag. Als Herr Müller nach 2 verstrichenen Wochen den Webshop nicht abliefert, versucht Herr Müller ihn zu erreichen. Er muss erfahren , dass Herr Schuster verreist und nicht erreichbar ist. Nach weiteren Versuchen über die nächsten Tage, erhält er schließlich eine kurze Nachricht von Herrn Schuster, dass der Webshop jetzt fertiggestellt sei und der Auftrag damit für ihn abgeschlossen.
Herr Müller prüft die Version und stellt fest, dass der Webshop zwar fertigstellt und die Basisfunktionalität vorhanden ist. Jedoch sind die sprachlichen Anpassungen in Englisch, Französisch und Spanisch fehlerhaft. Weiterhin sind die lokalen Gegebenheiten und Spezifika nicht wie besprochen umgesetzt worden. So ist der Webshop nicht verwendbar, stellt er fest.

Er verlangt Nachbesserung, woraufhin er von Herrn Schuster einen Brief erhält, in dem er auf die ordnungsgemäße und zeitgerechte Lieferung verweist. Außerdem sei das Projekt zum einem sehr niedrigen Preis kalkuliert gewesen, der ihm keinen weiteren Spielraum gibt, am Webshop weiterzuarbeiten. Hierzu benötigte er nochmals einen Betrag über 20% des Gesamtvolumens.

Herr Müller konsultiert daraufhin seinen Anwalt. Er will keinesfalls weiteres Geld bezahlen, und außerdem muss der Webshop zum Jahresende unbedingt live geschaltet sein, damit das Saisongeschäft nicht verpasst wird. Das bedeutet, dass innerhalb der nächsten zwei Wochen die Arbeiten beendet und der Webshop voll funktionsfähig zur Verfügung stehen muss, sonst würden wichtige Umsätze an die Konkurrenz verloren gehen.
Der Anwalt von Herrn Müller schlägt ihm nach Schilderung der Umstände eine Mediation vor.

Das Verfahren

Herr Müller ist zunächst skeptisch. Schließlich fühlt er sich im Recht. Er hat gegenüber Herrn Schuster klar geäußert, dass der Webshop auch in Fremdsprachen zur Verfügung stehen muss und die rechtlichen landesspezifischen Gegebenheiten berücksichtigt sein müssen. Aber aufgrund des Zeitdrucks, und weil er einen eigentlich einen guten Eindruck von Herrn Müller hatte, will er sich auf diesen Weg zunächst einlassen.
Über einen Mediator der Frankfurter Mediationszentrale lässt Herr Müller kurzfristig den Kontakt zu Herrn Schuster aufnehmen. Nach anfänglichem Zögern erklärt dieser sich ebenfalls zu diesem Schritt bereit. Auch Herr Schuster will einen drohenden Gerichtsprozess unbedingt vermeiden. Zudem erscheinen Ihm die Chancen größer als die Risiken, denn die mit einem Gerichtsprozess verbundenen Anwalts- und Gerichtskosten würden momentan seine ohnehin schon angespannte Finanzsituation noch zusätzlich belasten. Gleichzeitig weiß er aber auch, dass für die notwendigen sprachlichen Anpassungen noch zusätzliches Geld benötigt wird. Er muss den Übersetzer extern einkaufen und ohne zusätzliche finanzielle Mittel kann er das momentan nicht stemmen, zumal er auch noch Verpflichtungen aus dem Kauf seines IT-Equipments hat.

Herr Müller seinerseits will unbedingt das Projekt abschließen. Er will auch nicht, dass sich ein weiterer Programmierer erst noch einarbeiten muss, weil er hier weitere Verzögerungen befürchtet. Zudem war er bislang eigentlich auch ganz zufrieden mit der Arbeit von Herrn Schuster . Lediglich die länderspezifischen Anpassungen und ein paar Designs gefallen Ihm noch nicht. Zwar sind auch seine finanziellen Mittel angespannt, aber durch die Realisierung des Webshops und der damit erhofften zusätzlichen Erlöse erhofft er sich eine in Zukunft stabile Geschäftslage.

Schon diese Ausgangssituation macht deutlich, dass der Rechtsweg für keine der Parteien optimal ist. Zu langwierig und der Ausgang wäre mehr als ungewiss ist. So könnte der Richter durchaus bemängeln, dass die genauen Spezifikationen der Leistungen (Pflichtenheft) nicht vorgenommen wurden und Herr Schuster durchaus im Recht ist, da er das Projekt zeitgerecht abgeschlossen hat. Anders herum könnte Herr Müller Recht bekommen und über die Verpflichtung zur Nachbesserung könnte ein schlechtes Licht auf den Programmierer Schuster fallen, der in einem öffentlichen Gerichtsprozess unterliegt.

Die Lösung
In dem geschützten Raum der Mediation konnte die Interessenlage der beiden mit Hilfe des Mediators wie oben beschrieben ausgelotet werden. Über den juristischen Blick hinaus war die Möglichkeit, zur Diskussion wirtschaftlicher oder sogar persönlicher Interessen und Motive. Schließlich haben sich Herr Müller und Herr Schuster über einen gemeinsamen Bekannten aus Unternehmerkreisen kennengelernt und man will vielleicht das schlechte Reden übereinander vermeiden. Eventuell ist bei positivem Ausgang der Mediation sogar eine Fortführung der beruflichen und/oder privaten Beziehung möglich.

Nach Abschluss der Mediation wurde folgendes zwischen den Parteien vereinbart: Herr Müller leistet an Herrn Schuster eine weitere Zahlung, die es ihm ermöglicht, die Arbeiten zu Ende zu führen.. Herr Schuster verpflichtet sich dazu im Gegenzug den Webshop innerhalb der nächsten zwei Wochen komplett fertigzustellen und darüber hinaus für ein weiteres Jahr kleinere Anpassungen und die Pflege kostenlos zu übernehmen. Dafür erhält Herr Schuster nach Abnahme des Webshops weitere kleinere Aufträge und das Versprechen Herrn Müller weiterhin eine gute Referenz in seinen Unternehmerkreisen zu geben.

Beide Parteien sind hiermit zufrieden!

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