Fallbeispiel zum Ablauf einer innerbetrieblichen Mediation zwischen zwei Arbeitskolleginnen und ihrem Chef

Fallbeispiel zum Ablauf einer innerbetrieblichen Mediation zwischen zwei Arbeitskolleginnen und ihrem Chef

 

Guten Tag! 

Wie läuft eine Mediation eigentlich konkret ab, wenn es im Team kracht und auch der Vorgesetzte in den Streit involviert ist?

 

Stellen Sie sich den folgenden Ausgangsfall vor, den ich frei nach dem gelungenen Artikel von Annegret Pillartz, in: Arbeitsrecht Aktuell 2013, S. 347 f. bilde:

 

Frau Meier und Frau Müller teilen sich seit zwei Jahren mehr recht als schlecht ein Büro. Zum Eklat kommt es, als ihre Vorgesetzte, Frau Schulz, Frau Müller auswählt, die Neujahrspräsentation zu übernehmen. Frau Meier meldet sich daraufhin erst einmal krank und als sie nach knapp zwei Wochen wieder am Arbeitsplatz erscheint, eskaliert die Situation weiter. Schließlich mahnt Frau Schulz Frau Meier ab. Der Geschäftsführer spricht sie daraufhin an, was in ihrem Team los sei und schlägt eine Mediation vor. An der Mediation sollen sowohl die beiden Kolleginnen als auch die Vorgesetzte teilnehmen.

 

In einer solchen Situation ist es sinnvoll, dass der in diesem Fall von der Geschäftsführung ausgewählte Mediator zunächst Einzelgespräche mit den drei Parteien führt, um Vertrauen aufzubauen und ihre Bereitschaft zu einer Mediation zu bewerten. Wenn alle Parteien der Mediation zustimmen, kann die erste gemeinsame Sitzung kurzfristig anberaumt werden.

 

In der eigentlichen Sitzung wird zunächst der Sachverhalt aus Sicht aller Beteiligten erarbeitet. Schnell offenbart sich, was die einzelnen Personen umtreibt oder verletzt hat. In diesem Fall mag es so sein, dass Frau Meier sich als Dienstältere übergangen gefühlt hat und der jüngeren Frau Müller unterstellt, ein mieses Konkurrenzspiel treiben zu wollen. Sie ist traurig und beklagt mangelnde Wertschätzung.

 

Frau Müller andererseits versteht die Welt nicht mehr und das Verhalten von Frau Meier, die sie zunächst als Art Ziehmutter angesehen hatte, verunsichert sie sehr. Sie findet, dass Frau Meier es nur darauf anlegt, sie zu bevormunden und überlegt bereits, den Job zu wechseln. Sie ist wütend.

 

Die Vorgesetzte ist sehr überrascht darüber, welche Gräben sich hier bereits in den ersten beiden Stunden des Gesprächs offenbaren. Sie wollte diesmal Frau Schulz die Neujahrspräsentation nur übertragen, damit auch Frau Müller diese Kompetenz erwirbt. Beide Mitarbeiter sollen schließlich gleich behandelt werden und sich auch gegenseitig reibungslos vertreten können, wenn eine der beiden im Urlaub ist oder krankheitsbedingt ausfällt.

 

Während Frau Meier traurig ist, zeigt Frau Müller sich verärgert. Erstere vermisst damit Anerkennung und Zweitere möchte sich abgrenzen und hat das Gefühl, dass es seitens der älteren Kollegin immer mehr zu Grenzüberschreitungen kommt. Von der Vorgesetzten fühlen sich beide im Stich gelassen.

 

Der Mediator kann den Teilnehmern an der Mediation, den Medianten, nun helfen, wie sie besser auf die gegenseitigen Bedürfnisse reagieren können und damit auch sichtbar machen, dass die jüngere Kollegin die ältere Kollegin gar nicht persönlich zurückweisen möchte, sondern dass es ihr einfach nur darum geht, sich langsam mehr Eigenständigkeit aufzubauen und das sie ihre Grenzen beachtet wissen möchte. Das kann die ältere Kollegin so besser einordnen und Verständnis zeigen. So ist für die Zukunft sogar eine von beiden gewollte Annäherung wieder denkbar. Die Eskalation des Konflikts stellte für beide eine Bedrohung dar. Durch das Gespräch und das gegenseitige einander Verstehen, kann ohne Wut und Ärger über die sinnvolle, zukünftige Verteilung der Arbeit gesprochen werden und zwar auf einer Sachebene. Und auch die Vorgesetzte konnte von der Teilnahme an der Mediation profitieren. Durch das Verhalten der älteren Kollegin, sah die Vorgesetzte diese plötzlich als Gegnerin an und hatte das Gefühl sich gegenüber ihr als Vorgesetze behaupten zu müssen. Deswegen sah sie sich gezwungen, die Abmahnung auszusprechen. Durch die Mediation hat sie nun beide Seiten und die verschiedenen Beweggründe und Motivationen besser kennengelernt und hat verstanden, was die beiden Kolleginnen von ihr als Vorgesetzter erwarten: Anerkennung und Aufmerksamkeit. Umgekehrt konnte die Vorgesetzte auch klarmachen, wie wichtig Loyalität und Vertrauen für sie ist.

Der Konflikt konnte gelöst werden und die Parteien einigten sich darauf, die Abmahnung aus der Personalakte zu entfernen und eine Vereinbarung über die zukünftige Aufgabenverteilung zu treffen. Nach einem halben Jahr schaut der Mediator noch einmal vorbei und erfährt, dass die Kolleginnen gut zusammenarbeiten. Es sei zwar etwas distanzierter; dies erleben sie jedoch nicht negativ, sondern als Gewinn an gegenseitigem Respekt.

Schlussendlich profitierten hier Unternehmen und Arbeitnehmer von der Mediation. Ungelöste Konflikte bremsen und kosten unnötig Zeit und Geld.

 

Fragen, Anregungen oder Kommentare?

 

Sprechen Sie mich an.

 

Ihre

 

Julia Schweitzer

Related Posts

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>