Immer noch nicht angekommen – Mediation im innerbetrieblichen Umfeld

Trotz anscheinend deutlicher Zunahme der Mediation im Allgemeinen scheinen bei vielen Unternehmen immer noch Akzeptanzprobleme zu bestehen, diese Konfliktbeilegungsmethode tatsächlich einzusetzen. In der Regel ist Mediation als Mittel zur Konfliktlösung weder angewendet oder überlegt worden, noch ist das Verfahren im Unternehmen bzw. in der Konfliktlösungskultur vieler Unternehmen etabliert.

Manchmal existieren zwar interne Berater aus dem Führungskräfte- und Weiterbildungsumfeld, die auch über Kenntnisse komplementärer Methoden des Konfliktmanagements (z.B. Moderation, Coaching, Supervision) verfügen. Dennoch gibt es bislang meist weder ein konkretes Angebot für Mediation in den meisten Unternehmen, noch ist es in den Ausbildungsstandards bzw. Weiterbildungsangeboten etabliert.

Die Gründe hierfür sind nach meiner Beobachtung durchaus unterschiedlich. Zum einen könnte die Zufriedenheit mit den bisherigen Konfliktlösungsansätzen hoch bzw. ausreichend genug sein. Zum anderen könnte die nicht existente Etablierung des Verfahrens der Mediation auch an einer fehlenden Vermarktung dieser Methode liegen. Ein weiteres Indiz hierfür ist ein eher verhaltenes Engagement des Unternehmens an übergreifenden Initiativen wie z.B. dem „Roundtable Mediation und Konfliktmanagement“ der deutschen Wirtschaft. Die mangelnde Erfahrung birgt auch das Risiko der Unwissenheit über die Charakteristika und Vorteile der Mediation und eine dadurch entstehende Unsicherheit, dieses Verfahren innerbetrieblich einzusetzen. Vorteilhaft wäre hier das Engagement entsprechender Katalysatoren und Innovatoren im Unternehmen, die mit entsprechender „Rückendeckung“ des obersten Managements das Thema auch gegen Widerstände und Skepsis voranbringen könnten. Insbesondere in Großunternehmen, die permanent Strukturveränderungen und Change- Managementprozessen unterliegen, ist die Fähigkeit der schnellen Anpassung (Agilität) ohne Verluste der wirtschaftlichen Effektivität und Effizienz ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Machtkämpfe beispielsweise zwischen Vertriebsabteilungen, ausgelöst durch eine Neuorganisation der Vertriebsstrukturen, können gegenüber Kunden eines Unternehmens unprofessionell erscheinen und Vertriebserfolge verhindern bzw. verzögern, welche aber durch die Umorganisation eigentlich erzielt werden sollten. Eine möglichst rasche Aufbereitung und Klärung von Konflikten, eventuell auch im Sinne einer Prävention, ist hier einer der wesentlichen Vorteile der alternativen Konfliktlösungsmethode Mediation.

Im internationalen bzw. interkulturellen Kontext steht die innerbetriebliche Mediation nach Beobachtung des Autors vor noch größeren Herausforderungen. Die unterschiedlichen Erfahrungen und Bekanntheit der Mediation, aber auch die in der Regel unterschiedlichen Werte- und Sprachkulturen führen zu einer noch größeren Vorsicht und Zurückhaltung. Gerade hier aber bestehen auch große Chancen, da Mediation als Ergebnis nicht nur eine einvernehmliche Lösung anstrebt, sondern auf dem Weg dorthin auch das gegenseitige Verständnis füreinander hilft zu fördern. Selbst wenn das Ergebnis einer einvernehmlichen, ganzheitlichen, dauerhaften Lösung ausbleibt, kann mit Hilfe der Mediation doch ein wichtiger Schritt getan werden, um das Verhältnis zwischen Mitarbeitern und Abteilungen aus unterschiedlichen Kulturen und/oder Ländern zu verbessern. Insbesondere bei übergeordneten Wertvorstellungen und Grundsätzen, wie z.B. der Bedeutung der Befolgung von Regeln für den gesamten Unternehmenserfolg, kann alleine eine Klärung zwischen den Parteien angenommen, entscheidend für die Verbesserung klimatischer Beziehungen sein.

Quellveröffentlichung: Andreas Burau, Telekom Intranet

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