Mut zum Caucus! Von den Vorteilen einer Mediation mit Einzelgesprächen im Rahmen einer innerbetrieblichen Mediation

Mut zum Caucus! Von den Vorteilen einer Mediation mit Einzelgesprächen im Rahmen einer innerbetrieblichen Mediation

 

Guten Tag!

Während im angloamerikanischen Raum Mediationen häufig nach dem Caucus-Modell geführt werden (Mediation in Einzelgesprächen mit den Beteiligten), stand man in Deutschland dieser Methode lange Zeit sehr kritisch gegenüber.

 

Was sind die Vor- und Nachteile einer Caucus-Mediation?

 

Gemäß § 1 Abs. 1 Mediationsgesetz ist die Mediation ein strukturiertes Verfahren, bei dem die Parteien mithilfe eines oder mehrerer Mediatoren freiwillig und eigenverantwortlich eine einvernehmliche Beteiligung ihres Konflikts anstreben. Weiter heißt es im Mediationsgesetz in § 2 Abs. 3: „Der Mediator ist allen Parteien gleichermaßen verpflichtet. Er fördert die Kommunikation der Parteien und gewährleistet, dass die Parteien in angemessener und fairer Weise in die Mediation eingebunden sind. Er kann im allseitigen Einverständnis getrennte Gespräche mit den Parteien führen.“ Damit werden die getrennten Gespräche gesetzlich mittlerweile ausdrücklich vorgesehen. Gerade im Rahmen von innerbetrieblichen Mediatonen besteht, sofern es sich um eine Mediation zwischen Arbeitnehmer und Vorgesetztem handelt, immer das Problem des nicht wegzudiskutierenden Hierarchieverhältnisses. Meiner Erfahrung nach kann eine Mediation, die man zunächst mit Einzelgesprächen beginnen lässt, auch der Arbeitnehmerseite die Möglichkeit geben sich zu öffnen. Auf der anderen Seite kann dies auch auf Geschäftsführungsebene erreicht werden, dass sich wirklich auf die Mediation eingelassen wird.

 

Die Einzelgespräche stellen dabei natürlich besondere Herausforderungen an den Mediator. Der Mediator muss hier eine Brückenkommunikation herstellen, wobei zu beachten ist, dass Einzelgespräche vertraulich sind und nur das weitergegeben werden darf, wozu der Mediant im Einzelgespräch zustimmt. Es bietet aber den Vorteil herauszufiltern, worum es den Parteien wirklich geht, was gerade sonst bei hierarchisch geprägten Verhältnissen sehr schwierig ist. Der Mediator muss dann versuchen, einen sog. positiven Lösungsraum entstehen zu lassen. Vor allem, wenn ein Konflikt bereits stark verhärtet ist, gibt es viele Argumente dafür eine Caucus-Mediation durchzuführen, da die Parteien sich oft zunächst so nicht an einen Tisch setzen lassen. Ich plädiere jedoch dafür, auch Mediationen, die mit Einzelgesprächen beginnen, am Ende in gemeinsamen Mediationssitzungen münden zu lassen, um wieder die direkte und ungestörte Kommunikation zwischen beiden Parteien zu erreichen.

 

Zu diesem Thema empfehle ich den sehr interessanten Artikel von Horst Eidenmüller „Caucus-Mediation und Mediationsgesetz“ in der ZIP 2016, Beilage zu Heft 22, Seite 18 ff.

 

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag.

 

Fragen, Kommentare, Interesse an einer Mediation? Bitte sprechen Sie mich an.

 

Ihre Julia Schweitzer

Related Posts

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>