Ukraine Konflikt – hr1 Interview mit Friedrich Glasl

Im Zusammenhang mit dem heutigen (26.8.2014) Treffen zwischen Putin und Poroschenko in Minsk, Weißrussland, wurde Friedrich Glasl – internationaler Konfliktforscher und Mediator heute morgen in hr1 interviewt und zu seiner Einschätzung des Erfolges dieses Gespräches und möglicher Interventionen befragt.

Auf die Eingangsfrage des Moderators, in welcher Phase sich der Konflikt befindet antwortet Glasl sinngemäß, dass es schon eine Phase ist, die Zerstörungscharakter angenommen hat. Die Konfliktparteien hätten sich da reingesteigert über die Zeit, jetzt würde es ums Ganze gehen. Dennoch hält er es möglich, das man sich “die Hände schüttelt”, da der Erfolgsdruck auf die beiden aufgrund der Öffentlichkeit schon sehr groß geworden ist.

Auf die Frage nach der Chance für “vernünftige” Gespräche und deren Erfolg verweist Glasl auf den Mediator, der die Rolle eines Dolmetschers einnehmen muss – nicht zwischen verschiedenen Sprachen, sondern zwischen den Absichten, die sich gegenseitig unterstellt werden, um Vertrauen wieder herzustellen.

Als “Tipps”, wie ein Streitschlichter bzw. Mediator ein solches Gespräch angehen und moderieren würde, nennt Glasl:

- Öffentlichkeit ausschalten, so dass keine Festlegungen vorab erfolgen können.
- Klären, was auf jeden Fall verhindert werden sollte (nicht erwünschtes klären)
- In einen “geschlossenen Raum” stecken, damit die Parteien aus der Patt-Stellung herauskommen.

Mediationen zwischen Ländern, gerade in Krisensituationen, erweisen sich als überaus schwierig zu handhaben. Dennoch konnte man in der Vergangenheit immer wieder auf Erfolge verweisen wie beispielsweise die Gespräche zwischen Reagan und Gorbatschow 1986 in Reykavik oder die Mediationen am Ende des Jugoslawien-Konfliktes. Trotz der augenscheinlich wesentlich höheren Komplexität solcher Mediationen zwischen Staaten gelten die Grundprinzipien gleichermaßen auch für Mediationen zwischen Unternehmen.

Es gilt meiner Meinung nach und wie Glasl betont hat, die Parteien aus der “Patt-Situation” herauszuholen. Dies kann vor allem dadurch geschehen, dass der Mediator in seiner Funktion eines Übersetzers, das Gesagte der einen Partei für die jeweils andere Partei “hörbar” macht. Hierzu bedient sich der Mediator verschiedener kommunikativer Interventionen, insbesondere ist aber seine Vertrauensstellung als neutraler Dritter hier ausschlaggebend.

Auch die Ausschaltung der Öffentlichkeit ist ein weiteres wichtiges Prinzip, die so im Falle eines Gerichtsprozesses oder anderer Verfahren der Konfliktbearbeitung nicht unbedingt umsetzbar ist. Die Parteien können somit mit Hilfe des Mediators daran arbeiten, ohne Druck von außen, ihre eigentlichen Interessen hinter ihren Forderungen und Positionen zu klären, um auf dieser Basis zu einer Einigung bzw. einvernehmlichen Lösung zu kommen. Neben der Klärung, welche Ziele jeder einzelne verfolgt, kann es auch sinnvoll sein, zu klären, was man auf jeden Fall für sich vermeiden will. Eine solche so genannte “schlechteste Alternative zur Nichteinigung” ist manches mal sogar ein wichtiger Impuls, sich als Partei doch einen Schritt auf die andere Partei zuzubewegen”, so habe ich es einigen Fällen schon eindrucksvoll erfahren, gerade wenn es um das Vermeiden einer “negativen Publicity” im Rahmen eines doch folgenden Prozesses geht oder darum, ein finales Zerwürfnis der Parteien auszuschließen, um sich Optionen für die Zusammenarbeit in der Zukunft zu wahren.

In diesem Zusammenhang möchten wir Sie auf die folgende Veranstaltung hinweisen:

Prof. Friedrich Glasl: Kriege werden gemacht – auch Frieden ist machbar.
Möglichkeiten der konstruktiven Konfliktlösung im Ukraine-Krieg
Di., 22.9.2015, 18 Uhr; Freie Waldorfschule Am Kräherwald, Stuttgart
Näheres – auch zum Veranstaltungskontext des Vortrags finden Sie unter: http://forum3.de/vortraege/410/

Ihr Andreas Burau

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