Wie man Interessenüberschneidungen in Verteilungskonflikten am besten löst

Wie man Interessenüberschneidungen in Verteilungskonflikten am besten löst

Guten Tag!

Regelmäßig ist es so, dass Verteilungskonflikte den eigentlichen Gegenstand einer Verhandlung bilden: Wenn beide Seiten den hoffentlich vergrößerten Kuchen haben wollen, muss er letztendlich geteilt werden. Wie die Teilung erfolgen kann, ist umstritten und dieser Streit ist häufig unproduktiv, da es allein um Bewertungsfragen geht. Der scheinbar nächstgelegene Ausweg – und dieser muss nicht immer der schlechteste sein – besteht darin, einen Dritten hinzuzuziehen, der als eine Art Sachverständiger eine Beurteilung der zu verteilenden Werte vornimmt („early neutral evaluation“). In der Praxis gibt es aber auch Verfahren, die viel schneller und günstiger sind und die vor allen Dingen von den Parteien selbstbestimmt angewendet werden können.

1.     Divide and Choose:

 

Das erste Verfahren nennt sich „Divide and Choose“. Dieses Verfahren ist uns allen bereits aus dem Sandkasten vertraut. Die eine Person bildet Pakete (Person A) und die andere Person (Person B) darf aussuchen. Dabei kann die Person A, die die Pakete gebildet hat, eine Sicherheitsstrategie verfolgen oder aber auf Maximierung setzen. Im ersten Fall würde A zwei exakt gleiche Teile bilden. Im zweiten Fall würde A die Pakete so schnüren, dass in einem etwas enthalten ist, worauf es dem anderen ganz besonders ankommt, aber A nicht. Das andere Paket kann dann ruhig etwas größer sein.

 

Dieses Verfahren hat Vorteile: Person B erhält mindestens 50% und Person A kann sich ebenfalls 50% sichern. Dieses Vorgehen wird allgemein als gerecht empfunden und man benötigt wenig Zeit. Nachteile dieses Vorgehens sind aber, dass die Ergebnisse nicht immer effizient sind, weil die Unterschiede in der Wertschätzung einzelner Güte nicht hinlänglich ausgeschöpft werden. Deswegen sind die Ergebnisse manchmal nicht symmetrisch, was zu Neid führen kann. Deshalb ist dieses Verfahren nicht immer eine win-win-Lösung.

2.     Shoot-Out-Verfahren:

 

Das Shoot-Out-Verfahren funktioniert ähnlich wie Divide and Choose, man kann es aber auch auf unteilbare Güter anwenden. Wenn Person A Person B ein Angebot für die Übernahme an einer gemeinsamen Firma macht, kann Person B den Preis entweder akzeptieren oder den Spieß umdrehen und Person A zu dem von diesen als angemessen definierten Preis auszahlen. Wenn es nicht zur Einigung kommt, macht Person B Person A ein Angebot nach denselben Regeln.

 

3.     Marktprozedur:

 

Bei der Marktprozedur kann jeder Teilnehmer auf einzelne Güter der zu verteilenden Masse bieten. Der Preis richtet sich nach seiner persönlichen Wertschätzung und Finanzkraft. Dabei sind folgende Konstellationen möglich:

 

(1)  Jeder bietet für jedes Gut einen Geldbetrag (ohne Begrenzung).

(2)  Das höchste Gebot entscheidet über die Verteilung.

(3)  Der, der das einzelne Gut erzählt, zahlt (zunächst fiktiv) den Marktpreis, der sich aus dem Durchschnitt der Gebote der Beteiligten ergibt.

(4)  Die Summe aller fiktiven Zahlungen wird durch die Anzahl der Spieler geteilt.

(5)  Die Differenz zwischen fiktiver Zahlung für die erhaltenen Marktwerte und dem Anteil an der Summe der Einzahlungen bestimmt den Ausgleich.

 

Vorteilhaft ist hier, dass man die Marktprozedur auch bei nicht teilbaren Gütern und einer beliebigen Zahl von Beteiligten und fehlenden objektiven Marktpreisen anwenden kann. Sie führt zu einer effizienten Verteilung, da die unterschiedlichen Präferenzen in Geldbeträgen ausgedrückt werden und man so regelmäßig neidfreie Ergebnisse erhält. Ein Nachteil bei der Marktprozedur ist sicher, dass die Teilnehmer zusätzliches Geld für Ausgleichszahlungen benötigen und der nicht mit solchem zusätzlichen Geld Bestückte seine Interessen kaum verwirklichen kann. Aber dennoch wird auch dieser vor Verlust geschützt.

 

 

Es gibt also verschiedene Möglichkeiten, wie Verteilungskonflikte von den Parteien selbst bewältigt werden können.

 

Fragen, Kommentare oder Interesse an einer Mediation? Sprechen Sie mich bitte an.

 

Mit besten Grüßen

 

Julia Schweitzer

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