Frühzeitig anders kommunizieren lernen

Mediation lebt von Kommunikation. Das Verstehen der Funktionsweise von Kommunikation, von Sprache als Quell von Missverständnissen und Manifestation von Konflikten stellt mich als Mediatorin vor die große Herausforderung, in gewissem Maße  die Kommunikation neu erlernen zu müssen. Wie in anderen Disziplinen, sei es beim Sport oder bei Fremdsprachen, fällt es aber viel schwerer, mit alten Gewohnheiten zu brechen und langjährige Fehler auszumerzen, als gleich von der Pike auf die Fehler zu bearbeiten und sie gar nicht erst in Verhaltensmuster zu übernehmen. Warum aber müssen wir erst so spät noch das „Anders-Kommunizieren“ lernen? Warum sind etwa die von Rosenberg beschriebenen vier Schritte der gewaltfreien Kommunikation nicht etwas Selbstverständliches? Warum wird die „richtige“ Kommunikation nicht gleich mit dem Spracherwerb und sozialer Interaktion erlernt? Ich bin überzeugt, dass frühzeitige Vermittlung von Wirkungsweise der Kommunikation zu einem bewussteren Einsatz von ihr und einem bewussteren Umgang mit Sprache führt. Es sollte deshalb zur Aufgabe gemacht werden, schon Kinder im Kleinkind- und Schulalter mit Kommunikationsmethoden vertraut machen, die das gesamtgesellschaftliche Zusammenleben erleichtern. Wie Rosenberg ausführt, können bereits Kinder eine Sprache erlernen, die etwa das Bewusstsein über die Verantwortung der eigenen Handlungen stärkt, oder die es ermöglicht, die eigenen Bedürfnisse klar zu benennen. Wenn diese Form der Kommunikation verinnerlicht wird, hat sie die Chance, auch künftig weitergegeben zu werden und so zu einer gesellschaftlichen Veränderung zu führen. Sicherlich ist dies sehr idealistisch, aber es wäre wünschenswert, flächendeckend entsprechende Projekte an Schulen und Betreuungseinrichtungen zu etablieren.

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